Workshock??

Ich habe sie mir schlimmer vorgestellt, die Rückkehr in die Normalität. Schmerzhafter, widerwilliger. Erleichtert, ich muss es zugeben, wird sie dadurch, dass ich da und dort vermisst wurde – das rührt mich und macht mich schwach. Aber auch durch Routinen, die sofort wieder einrasten, bis hin zu einzelnen Bewegungsabläufen. Sie werden, scheint es, nicht vom Gehirn memoriert, sondern vom peripheren Bindegewebe. Nicht ich erinnere die alltägliche Bewegungsabläufe (ich könnte sie auch nicht beschreiben), es sind meine Glieder und Finger die wissen, wie das Fahrradschloss geöffnet, wie die Kaffeemaschine in Gang gesetzt oder der Computer gestartet wird.
So gleite ich fast merklos in meine alten Wege, in meinen Alltag zurück. Gehöre ich bald wieder ganz dazu, wird bald schon mein Time-out nichts als Geschichte sein?

Spürbare Spuren hinterlässt der fast halbjährige Break beim Energieaufwand, den das Ertragen erfordert. Die Erinnerung an Stimmungslagen in Arbeitsbesprechungen, in Teamsitzungen und Gremien, diese Vertrautheit mit kulturspezifischen Befindlichkeiten, sie lässt plötzlich wieder Gelassenheit zu. Stilles Staunen, was alles unverändert koexistiert auf dieser weiten Welt. Und innere Distanz auch dort, wo Handlungsdruck äussere nicht zulässt.
Die freiwerdende Energie, vorher in den Posen von Empörung und Ärger gebunden, sie steht mir wieder zur Verfügung. Sie ist mein Reservetank.

Ob ich mit neuen Ideen zurückgekommen sei? Als neuer Mensch gar? Wer das fragt, erinnert sich nicht daran, dass ich schon bevor ich ging Ideen auf Halde produziert habe und dass nicht alle genehm und bequem waren.
Aber – das stimmt – sie fliessen wieder freier, meine Ideen. Ungehemmter, seit mein Reservetank wieder gefüllt ist.

Und seit ich vergessen durfte, wie zähflüssig diese Welt doch ist.