Grossvater

Er kündigte sich an, als ich kaum die Schwelle 60 hinter mir gelassen und mich mit dem Gefühl zu versöhnen begann, das sich aus wenig Vernunft und vielen Bildern zusammensetzt, alten Bildern, alten Bildern des Alters. 60jährige waren in meinen Kinderaugen schwarz gekleidet, hatten einen Hut auf dem Kopf und gingen am Stock. 

Nun lächelt mich Camille schon an, und das Wissen, Grossvater zu sein, wird langsam zum Gefühl. Aber ich stammle noch, wenn ich gefragt werde, wie genau es sich anfühlt. Er macht mich älter, und er tröstet zugleich. Gewissheit greift Platz, dass die Welt sich weiter dreht. Der Gedanke, dass ich nur die Mitte meiner Welt bin, wird nach und nach zur Entlastung.

Es gibt keine Formen dazu. Zu allen möglichen Lebensereignissen wird gratuliert, aber zur Geburt des ersten Enkels – da herrscht oft leise Unsicherheit. Es ist, als hätte es etwas Intimes, vielleicht überaus Familiäres. Es ist, als sei man unsicher, ob ich wirklich zu beglückwünschen sei. Aber es gibt auch die anderen, spontanen Reaktionen der Freude, manchmal überschwengliche, gerührte, manchmal hoch reflektierte. 

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